Brettspiel-Apps, positive Beispiele: Lost Cities

Dies ist der Versuch eine kleine Serie zu starten. Es dreht sich dabei um digitale Umsetzungen von Brettspielen. Genauer gesagt soll es darum gehen, welche Umsetzungen der Meinung des Autors nach besonders ge- oder misslungen sind und warum. Die Artikel werden dabei in recht unregelmäßigen Abständen hier eintrudeln.

Hier und heute beschäftige ich mich mit der iOS-Umsetzung von Lost Cities von Reiner Knizia.

Der Titelbildschirm von Lost Cities für iOS

Ein Spiel, das an und für sich nicht all zu kompliziert ist. Wer das Spiel kennt, kann den nächsten Absatz getrost überspringen. Ich erkläre nur „kurz“, wie das Spiel funktioniert.

Spielverlauf von Lost Cities

Bei dem zwei-Spielerinnen-Spiel gilt es aus fünf möglichen Expeditionen den größtmöglichen Profit zu schlagen. Für jede Expedition gibt es im gemeinsamen Nachziehstapel neun von zwei bis zehn durchnummerierte Karten sowie drei Karten um den Multiplikator um eins zu erhöhen, im Folgenden Wettkarten genannt. Jede Spielerin startet mit acht Handkarten. Wenn man am Zug ist, muss man entweder eine Karte abwerfen oder eine Karte ausspielen. Abgeworfen werden die Karten auf den Ablagestapel der zugehörigen Expedition. Ausgespielt werden die Karten auf der der Spielerin zugewandten Seite des Spielplans an die zugehörige Expedition. Danach nimmt die Spielerin entweder die oberste Karte des Nachziehstapels oder eines Ablagestapels.

Beim Ausspielen einer Karte in eine Expedition gilt es folgende Regeln zu beachten.

  • Sobald die erste Karte in eine Expedition gespielt wurde, gilt diese Expedition als gestartet. Expeditionen kosten immer erst mal etwas. In diesem Fall 20 Basis-Punkte
  • Jede Zahlenkarte, die in eine Expedition gespielt wurde, hebt die Basis-Punktzahl um ihren Betrag
  • Die Basis-Punktzahl einer Expedition, in der eine Spielerin Karten gespielt hat, errechnet sich für diese Spielerin also wie folgt: (Summe der Beträge der Zahlenkarten) -20
  • So lange eine Spielerin in einer Expedition noch keine Zahlenkarten gespielt hat, kann sie Wettkarten spielen. Diese erhöhen den Multiplikator einer Expedition jeweils um eins.
  • Also errechnet sich der Wert einer Expedition für eine Spielerin wie folgt: (Summe der Punktekarten – 20) x (1 + Anzahl der Wettkarten)

Warum funktioniert die App so gut/schlecht?

Na, wie gefällt Dir das, Krusenp****r!?

Bei der physikalischen Variante von Lost Cities kann einem schon mal der Überblick darüber, wer gerade vorne liegt, verloren gehen. An und für sich ist die Formel „(Summe der Punktekarten – 20) x (1 + Anzahl der Wettkarten)“ nicht wirklich kompliziert. Wenn man aber aus der bis zu zehnfachen Anwendung dieser Formel während des Spiels den aktuellen Punktestand errechnen möchte, entscheidet man sich oft doch eher für die Alternative B… und lässt es bleiben.

An solchen Situationen ist erkennbar, dass so manches Brettspiel sich um einiges gemütlicher spielt, wenn einem ein Computer mathematische Fleißarbeiten abnimmt.
Lost Cities ist dafür ein Paradebeispiel. Auch wenn Lost Cities meiner Meinung nach ein gutes Spiel ist, kann die Frage nach dem aktuellen Spielstand leichte Hirnverzwirblungen auslösen oder zumindest den Spielfluss empfindlich stören. Die App nimmt einem dererlei Rechengeschiebe ab und zeigt einem einfach den aktuellen Stand an. Alle wichtigen Informationen sind auf einen Blick sichtbar. So wird aus einem guten Brettspiel eine hervorragende Brettspiel-App.

Extra Klimbim

Bei der iOS App kommt noch ein Aspekt hinzu, der in diesem Fall für eine gehörige Portion Langzeitmotivation sorgen kann. Die App setzt einem vier NSC vor die Nase, die es zu bezwingen gilt. Jeder dieser Charaktere spielt etwas unterschiedlich. Der Nutzerin und den Charakteren ist zu Beginn eine Spielstärkewertung zugeordnet. Bei der Spielerin beträgt diese 0 %. Die NSCs werden mit Werten zwischen 35 % und 88 % eingestuft. Diese Bewertung ändert sich nach jedem Spiel für die Spielerin und den beteiligten NSC. Für jeden einzelnen NSC kann man sich einen Gamecenter-Erfolg verdienen, wenn man ihn unter einen bestimmten Wert drückt. So wird aus Herrn von Krusenstern ein Herr von Bronzestern (unter 80%), dann ein Herr von Eisenstern (unter 60%), dann ein Herr von Lederstern (unter 40%) und verdammt noch mal irgendwann, und wenn ich dann schon nur noch graue oder gar keine Haare mehr habe, auch ein Herr von Holzstern (unter 20%). Oder auch nicht…, weil ich vorher zur nächsten Brettspiel-App weitergezogen bin.

Noch zusätzlich zu erwähnen ist, dass man Lost Cities über die App auch online per asynchronem Multiplayer über Gamecenter gegen andere menschliche Spielerinnen spielen kann. Das habe ich bisher nur einmal probiert. Hat super funktioniert.

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